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Stippvisite in Bellinzona und der Intercooler Mittwoch, 28.Mai 2003 |
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Bregenz, ein bisschen Bodensee und keine Berge in Sicht Stippvisite in Bellinzona und der Intercooler Das Kloster Eremo di St. Caterina del Sasso Garzoli & Battaglia in Verbania-Intra Warum die Berge in der Schweiz grüner sind zurück |
Jetzt ging das Abenteuer Urlaub 2003 richtig los. Aber nur sehr langsam! Die Ösis waren auf dem Stück zur Schweizer Grenze an Schleichsucht nicht zu überbieten. Dann – endlich in der Schweiz - schnell eine Vignette gekauft, 'rauf auf die Autobahn und dem Sonnenschein entgegen. Bis zum Fuße der Alpen war uns die Strecke halbwegs bekannt. Bis hinter Chur blieb uns die dicke Brühe des Vortages erhalten. Von den Bergen war nichts zu sehen. Ruhig rollten wir zum ersten Halt in der Via Mala Schlucht. Heute hatten wir die Zeit, uns die Schlucht anzusehen. Damals 1998, als wir zum ersten Mal hier entlang kamen, mussten wir am gleichen Tag noch bis nach Nizza fahren, also drei- oder viermal so weit wie heute.
Der San Bernadino Pass Die Via Mala Schlucht ist durch die gleichnamige Heimattragödie
von John Knittel berühmt geworden. Ich hatte weder das Buch
gelesen noch den danach entstandenen Film mit Mario Adorf gesehen und
fuhr deshalb ohne bestimmte Vorstellungen und Assoziationen zur
Schlucht. Das vom Rhein geformtes Felsengebilde hat viel
Ähnlichkeiten mit den anderen uns bekannten Schluchten der
Schweizer Alpen. In der Rosenlaui-Schlucht tost das Wasser am
gewaltigsten, die Strudeltöpfe sind eindrucksvoller, weil man
näher dran ist. Die Aare-Schlucht ist düster, gar finster
und ziemlich geradlinig und einförmig. Die Via Mala Schlucht
empfand ich am bizarrsten, aber gleichzeitig auch am lieblichsten.
Der Einschnitt, den der Rhein in den Berg gefräst hat, ist sehr
tief und lang. Der offiziellen Spaziergang durch die Schlucht
entlang der schweizerisch gut ausgebauten Treppen und Wege dauerte
etwa 20 Minuten. Hierbei genossen wir vor allem die schönen
Durchblicke entlang des verschnörkelten Verlaufs der engen
Klamm. Der Abstecher lohnte sich. Auch wenn es oben am Eingang zur
Schlucht weder spektakulär, romantisch oder besonders einladend
ist, sollte man sich nicht davon abhalten lassen hinabzusteigen. Das Wetter war inzwischen klarer und sonniger geworden. Anlass für uns, als nächstes statt durch den Tunnel über den San Bernardino Pass zu fahren. Bei unserer ersten Passfahrt 1998 gerieten wir mitten im Aufstieg in ein schweres Gewitter, das oben für fürchterliche Nässe und Kälte sorgte. Danach sah es heute nicht aus. Im Gegenteil: Je höher wir kamen, desto schöner wurde es. Unterwegs gab es in einer steilen Kurve einen kleinen Unfall. Eine Töff-Fahrerin – wie man in der Schweiz sagt – war mit ihrem Motorrad weggerutscht und suchte gemeinsam mit einem Helfer die Straße nach Splittern ihrer kaputten Blinker ab. Das Säubern der Straße war löblich, denn wir stellten uns vor, was passieren könnte, wenn Radfahrer von oben durch die scharfen Plastikteile fahren und sich einen Platten einhandeln. Unsere Hilfestellung war nicht mehr von Nöten. Trotz Sonne war es oben frisch, an den Hängen der Berge und in den Senken lag noch viel Schnee. Die Abfahrt auf der Südseite des Alpenhauptkamms wurde zur Reise in die Sonne. Sonnenschein über dem ganzen weiten Tal. Mit jedem Meter Höhenverlust wurde es wärmer. Unten am Tunnelausgang angekommen, mussten wir wegen Bauarbeiten weitere Kilometer auf einer Serpentinenstraße fahren. Im Konvoi mit Bussen und LKWs war das kein besonderes Vergnügen. Wir waren froh, bald in Bellinzona zu sein, dem wir einen Schnupperbesuch abstatten wollten. Die Kantonshauptstadt des Tessin fällt jedem aufmerksamen Reisenden wegen seiner drei Burgen auf. Egal ob er sich vom Norden über einen der drei benachbarten Alpenpässe – San Bernerdino, Gotthard, Lukmanier – oder von Süden nähert. Jedoch, kommt man von Norden spürt man beim Blick auf die Stadt und ins Tal: Jetzt bin ich im Süden, hier beginnt Italien. Das stimmt nur fast, denn die Lombardei ist noch Stück entfernt. Dass man noch in der Schweiz ist, merkt man spätestens in der Innenstadt. Alles ist in Ordnung und macht einen reichen und gepflegten Eindruck.
An den Auslagen der Geschäfte konnte man auch ablesen, wo man flanierte. Die hohen Preise lenkten unser Augenmerk schnell auf andere Dinge. Jetzt am späten Mittag war das Zentrum ziemlich verschlafen. In der Ferne hörten wir Musik und Gesang. Vielleicht wurde auf dem nächsten Platz Straßenmusik gespielt!? Den Schritt etwas beschleunigt, erreichten wir die Piazza Collegiata vor der großen Kirche. Straßenmusik fand hier leider nicht statt. Die Musik drang aus einem offenen Fenster, hinter dem sich Probenräume einer Musikschule befanden. Wir waren etwas verärgert, weil mit unserem Kommen da oben Stille einsetzte. Die Probe war vielleicht gerade beendet. Schade, die Musik klang gut! Auf einer schönen zweiseitigen Freitreppe stiegen wir hinauf zum Portal der großen Renaissancekirche „Collegiata die Santi Pietro e Stefano“. Innen erdrückte uns der viele pompöse Schmuck. Nur wenig Licht drang ins Kirchenschiff. Einerseits war es dadurch angenehm kühl - die fast 30°C draußen waren etwas viel für uns Nordlichter -, andererseits jedoch sorgte der Lichtmangel für eine sehr düstere Atmosphäre. Kurz, das Kircheninnere gefiel uns nicht. Mehr durch Zufall schaute ich nach oben und sah über der Vierung ein riesiges rundes Gewölbe, mit blauen Mustern bemalt und einer gläsernen Kuppel beleuchtet. Von der Freitreppe der Kirche blickt man aufs Castle Grande. An so einem strategisch günstigen und wichtigen Platz wie hier im Tal des Flusses Ticino entstanden früher nicht nur Siedlungen, sondern auch zwangsweise Burgen und Befestigungen. Die drei Burgen Castel Grande, mitten in der Stadt auf einem Hügel thronend, Castello di Monebello, 90 m über der Stadt am Hang gebaut, und das nochmals 140 m höher liegende Castello di Sasso Corbaro dienten Jahrhunderte als Bollwerke gegen unliebsame Eindringlinge. Heute sind sie die Wahrzeichen der Stadt. Die drei Burgen haben zusammen eine ungeheuere optische Wirkung. Auch kulturhistorisch haben sie große Bedeutung und wurden deshalb von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. All das wussten wir vorher nicht, wir folgten nur unserem Instinkt und der Erinnerung an den Eindruck, den wir vor 5 Jahren bei der Vorbeifahrt aus dem Auto heraus hatten.
Im Stop & Go verließen wir Bellinzona. Nach der Mittagshitze erwachte das Leben mit aller Macht. Das spiegelte sich auch im dichten Verkehr wider. Anfänglich kaum spürbar, begann das Auto nicht mehr richtig aufs Gas zu reagieren. Zuerst glaubte ich an Ablagerungen, die sich bei der sehr langen schleichenden Abfahrt vom Bernadino-Pass gebildet haben könnten und die nun auf den ersten „normalen“ Kilometer noch abbrennen müssten. Doch die Aussetzer beim Beschleunigen nahmen zu. Sobald ich etwas schneller das Gaspedal drückte, heulte der Motor auf, eine dicke schwarze Rußwolken schoss explosionsartig aus dem Auspuff. In diesem Augenblick war ich sicher, dass da etwas mit dem Turbolader nicht in Ordnung ist. Vor allem befürchtete ich, den ersten steileren Anstieg nicht zu schaffen. Schon jetzt auf den leicht welligen Straßen am Beginn des Lago Maggiore kam ich nur mit Geduld und sanftem Gasgeben vorwärts. Ärgerlicherweise hatte sich der dichte Verkehr immer noch nicht richtig aufgelöst, ich musste deshalb oft abbremsen und wieder beschleunigen. Was tun? Ich hatte Gudrun inzwischen auf das Problem aufmerksam gemacht. Sie versuchte zuerst auch zu bagatellisieren. Allerdings spürte sie ja nicht, was sich am Gaspedal tat, besser nicht tat. Sollten wir nach Bellinzona oder Locarno, das rechterhand der Straße lag, umkehren und das Auto in eine Schweizer Werkstatt fahren? Dort wäre es sicher leichter, jemanden zu finden, der Deutsch spricht. Aber wir waren unterdessen bereits kurz vor der italienischen Grenze, so dass es praktischer war, an der nächsten Autowerkstatt in Italien zu halten. Wir mussten das Problem noch heute aus der Welt schaffen, denn morgen ist Himmelfahrt. Im katholischen Italien wird dann ja wohl alles geschlossen sein! Abgelenkt und gestresst fuhren wir also entlang des Lago Maggiore und hatten nichts davon. Tröstlich war es in diesem Augenblick, dass vom See nur an wenigen Stellen etwas zu sehen ist. Das Ufer ist total zugebaut. Ein Anwesen schließt ans nächste an. Die Mauern zur Straße hin sind hoch, Bäume und Sträucher tun das Übrige, um den Blick zu versperren. Spätestens in Luino, der größten Stadt am Ostufer des Sees, hoffte ich ein großes blauweißes VW-Schild zu sehen. Zuvor kamen wir durch den etwas größeren Ort Maccagna, doch wie vermutet, fanden wir dort keine Werkstatt. Wenig später in Luino waren viele Leute, Autos und Mopeds unterwegs. Hier war heute Markt, wodurch einige Straßenzüge für Autos gesperrt waren. Schneller als wir es wahrhaben wollten, waren wir durch Luino hindurch. Im sich unmittelbar anschließenden Germignaga sah ich eine Peugeot-Werkstatt, wo noch jemand da war. Ich fuhr auf den Hof und wurde sofort nach meinem Begehr gefragt. Es kam wie es kommen musste, in diesem Betrieb gab es niemanden, der Deutsch sprach oder verstand. Aber es war kein Problem, den Defekt vorzuführen. Der Meister als auch der hinzu geholte Monteur riefen nach kaum einer Minute unisono „Intercooler“. Aha! Das half uns nichts, denn von den heutigen Autos haben wir keine Ahnung. Den Intercooler meines Audis konnten sie bei Peugeot nicht reparieren. Man schickte uns zurück „zu Volkswagen“ nach Luino. Über diesen Rat freuten wir uns sehr, denn nun konnten wir hoffen, unser Auto fachgerecht repariert zu bekommen. Es gab sie also, die VW-Werkstatt! Wir mussten sie nur noch finden. Da wir sie unten an der Küstenstraße nicht gesehen hatten, musste sie landeinwärts liegen. Doch im ersten Anlauf fanden wir kein VW-Autohaus. Als sich im Feierabendverkehr mal eine Lücke und ein sicherer Platz fand, schickte ich Gudrun zu einem Zeitungskiosk, um zu fragen. Es dauerte verständlicherweise eine Weile, ehe sie zurückkam. Das Warten – zumal in der herrschenden Hitze – zerrte an meinen Nerven. Der Kiosk war für Gudrun die erste Bewährungsprobe ihres autodidaktischen Italienischkurses. Der junge Italiener gab sich alle Mühe, den langen Weg zu erklären, doch Gudrun fehlten einfach noch Vokabeln, um die ganze Beschreibung zu verstehen. Ein Satz klärte dann alles auf: Die Werkstatt ist zu Fuß nur 100 Meter weit entfernt in der linken Straße. Als Gudrun sah, dass es eine Einbahnstraße ist, die der Italiener ihr zeigte, war alles klar. Mit ein bisschen Glück würden wir das andere Ende dieser Straße schon finden. Als die Lücke im Fahrzeugstrom wieder einmal groß genug war, schlich ich mit dem Audi zurück auf die Straße. Es war nun tatsächlich ein Kinderspiel, die Werkstatt zu finden. Zufällig stand einer der Mitarbeiter mit einem anderen Kunden am Straßenrand. So konnte ich unseren Schaden sofort ohne zusätzliches Rangieren vorführen. Auch für ihn schien die Sachlage sofort klar zu sein. Wir sollten gleich runter in die Werkhalle fahren. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen, war es doch nun gewiss, dass wir unsere Reise ohne großen Aufenthalt und Aufwand fortsetzen können würden. Unten wurde von anderen Monteuren nochmals genauer diagnostiziert, doch alle kamen wie schon die Peugeot-Leute zum selben Ergebnis: Intercooler. Kein Problem! Die angekündigten zwanzig Minuten schienen uns zu kurz, um wegzugehen. Wir beobachteten in aller Ruhe, was mit unserem Auto passierte. Die Leute arbeiteten zügig und solid. Nichts entsprach hier den Klischees vom schludrigen Italiener, der Touristen über den Tisch ziehen will. Nach einer knappen Viertelstunde wurde der Audi fertig von der Arbeitsbühne geschoben. Aus dem Büro reichte mir eine Frau die Rechnung, die mich zugleich erfreute und verwunderte. Zehn Euro musste ich berappen. Unglaublich wenig! Als ich den Monteuren ein Trinkgeld geben wollte, eckte ich regelrecht an. Ich erntete Blicke dafür, dass mir das Blut stockte. Die Generalprobe der Reparatur folgte sofort, denn die Ausfahrt aus der Werkhalle war so steil, dass jedes Auto Leistung brauchte, um hochzukommen. Der Audi schaffte es problemlos. Mittlerweile war es kurz nach Fünf; höchste Zeit, sich um eine Unterkunft zu kümmern. Luino stand nicht als möglicher Standort auf unserem Plan. Trotz des guten Erlebnisses in der Werkstatt sagte uns die Stadt nicht besonders zu. Wir hatten stattdessen Laveno im Visier. Laveno – Mombello hat den Vorteil, dass dort die einzige Autofähre zum anderen Seeufer ablegt und somit sehr verkehrsgünstig ist. Außerdem hatte Gudrun im Internet einige passable Hotels in und um Laveno gefunden. Die kurze Fahrt von Luino auf der Küstenstraße nach Laveno reichte nicht aus, unseren Puls nach den Aufregungen in Ruhestellung zu bringen. In Laveno hatten wir das Glück, direkt an der Seepromenade einen Parkplatz zu finden. An dieser zentralen Stelle hofften wir, schnell alle Informationen über Hotels zu erhalten. Der Fahrer des neben uns parkenden Autos kam gerade zurück und empfahl uns in bestem Deutsch, unbedingt ein Parkticket zu kaufen. „Die“ würden es hier von den Toten nehmen! Der besorgte Helfer war Berliner und hat in Hamburg Verwandschaft. Deshalb freute er sich, mal jemanden aus der Heimat zu treffen. Er sei vor 8 Jahren als Monteur einmal hierher gekommen. Es hat ihm hier so gut gefallen, dass er geblieben ist und auch nicht wieder nach Deutschland zurück will. Natürlich packten wir die Gelegenheit beim Schopfe und erbaten von ihm einen Hoteltipp. Natürlich konnte es uns nichts Konkretes empfehlen. Bekanntermaßen kennt man als Einheimischer selten die ortsansässige Hotelszene. Auf jeden Fall riet er von Laveno ab, hier sei alles viel zu teuer. Wir sollten ins Umland, zum Beispiel nach Cerro fahren. Dort ist es genau so schön und die Zimmer kosten nur die Hälfte. Nun gut. wir nahmen es zur Kenntnis, wollten uns aber trotzdem erst einmal umschauen. Als er wegfuhr, ging Gudrun in einen Zigarettenladen und kaufte zwei Parktickets. Das sind „Rubbelscheine“ unterschiedlichen Wertes, die man auf allen Parkplätzen verwenden kann. Man rubbelt Datum und Uhrzeit ab und legt den Schein ins Autofenster.
Blick auf Laveno Während Gudrun in dem Laden war, räumte ich das Auto innen ein bisschen auf. Dabei standen selbstverständlich alle Türen offen. Nachdem sie zurück war, suchten wir die vorbereiteten Hoteladressen heraus, um zu sehen, wo die Etablissements liegen. Als klar war, das wir keine Touristeninformation, keine Informationstafel oder eine andere Hilfestellung an dieser Stelle finden werden, wollten wir kurz durch die Stadt kreuzen, um vielleicht auf diese Weise eine Bleibe zu finden. Als wir losfahren wollten, fehlte mein Autoschlüssel. Wir suchten im Auto, unterm Auto, in allen Taschen und Ablagen. Er war weg. Die schon erwähnten Vorurteile, jeder Italiener ist mindestens ein Dieb, kamen sofort wieder ins Bewusstsein. Der freundliche Italogermane hat hinter unserem Rücken die Schlüssel geklaut. Guter Rat war teuer, bis ich die Beifahrertür zuschlagen wollte. Welch ein Wunder, dort steckte der Schlüssel. Meine Nerven lagen also noch immer blank! Die Ereignisse rund um die Autoreparatur hatten wir innerlich längst noch nicht verarbeitet und ad acta gelegt. Nach diesem Schreck der zweite Versuch, dass von Gudrun favorisierte Hotel zu finden. Ein paar Informationen hatte sie von zuhause mitgebracht: Ein ehemaliger Bauernhof, in der Nähe der Seilbahn, auch den Straßennamen. Letzterer wäre natürlich die eindeutige Lagebeschreibung, doch wenn es keine Straßenschilder und Stadtpläne gibt, ist auch die Adresse wertlos. Wir sahen zwar die Seilbahn, doch es schien uns zu zeitraubend, jede Straße im Einzugsbereich der Kabinenbahn abzufahren. Wir fuhren eine Runde durch die Straßen des Zentrums, um Stadthotels zu finden. Als das erfolglos blieb, waren wir beide insgeheim froh darüber, denn richtig nach unserem Geschmack war das Städtchen nicht. Nichts lag nun näher, als dem Tipp des Berliners zu folgen und in Richtung Cerro zu fahren. Nächster Schreckschuss: Vorm Bahnhof stoppte uns die Polizei. Und ich war nicht angeschnallt. Bei mir ging gleich wieder das Rollo runter. Doch komisch, der junge Polizist sah nur ins Auto und winkte uns in einer Weise weiter, wie haut bloß ab. Das machte ich gerne! Ein kleines Stück weiter, jetzt schon auf der südlichen Seite der Hafenbucht von Laveno, kamen wir an jenem Hotel an, das wir schon vom Parkplatz aus gesehen hatten. Da keinerlei Autos zu sehen waren, dachte wir zunächst, dass es noch geschlossen ist. Doch im Restaurant, das wir über schmuddelige Treppen unterhalb des Parkdecks erreichten, empfing uns eine junge Dame und zeigte uns die Zimmer. Die Zimmer mit Blick auf den See kosteten alle knapp 100 € und waren soviel Geld nicht wert. Es gab auch billigere, doch sah man aus denen auf die finstere Rückseite einer Kaimauer. Alles Fehlanzeige! Langsam mussten wir zu einem Ergebnis kommen. Außer einem Stück Kuchen von Sabine hatten wir über den Tag nichts gegessen. Der Hunger war mittlerweile sehr groß. Bis nach Cerro war es nicht weit. An der ersten Straßenkreuzung im Ort wies uns ein Schild zu den örtlichen Hotels. Gudruns Freude war groß, als sie anhand der hier vorhandenen Straßenschilder feststellte, dass sie zwei der hiesigen Hotels als preiswert und gut auf ihrem Zettel notiert hatte. Da Cerro zur Gemeinde Laveno-Mombello gehört, war der postalische Ortsname Laveno statt des geografischen Namens Cerro in den Adressen angegeben. Kein Wunder, dass wir vorhin nichts gefunden hatten. Im Hotel unten am kleinen Hafen war niemand da. Auch in der benachbarten Bar wusste niemand, wo und wann wir jemanden vom Hotel treffen könnten. Am anderen Hotel „Miralago“ hatten wir Erfolg. Wir bekamen ein großes Zimmer mit Fenstern nach Süden und Westen, dass durchs Verdunkeln sehr gut temperiert war. Auch der Preis stimmte. Schnell waren wir geduscht und frisch zurecht gemacht. Mit Heißhunger und viel Appetit auf Wein setzten wir uns ins Hotelrestaurant. Nach einem schmackhaften Drei-Gänge-Menü und frischem Weißwein fühlten wir uns gut gestärkt.
Lange blieben wir nicht sitzen. Der See zog uns magisch an. Der Eindruck war herrlich: Laue Luft, ein leichter Wind, die Dämmerung war so weit fortgeschritten, dass die ersten Lichter am anderen Ufer aufblinkten. Die Uferpromenade ist klein, aber stimmungsvoll. Auf einer Strecke von 250 Meter hat man einen Badestrand, den Bootsverleih, eine Schickimicki-Bar, eine kleine Grünanlage mit Bänken und Spielwiese, zum Lustwandeln ein gepflasterten Weg mit einem schönen Eisengitter vorn am Wasser, einen winzigen Hafen mit richtiger Kaimauer, der Schänke, wo sich die Einheimischen trafen und das schon erwähnte Hotel. Ein buntes Völkchen aus vielen Einheimischen und wenigen Touristen, Junge wie Alte war hier versammelt und vergnügten sich italienisch temperamentvoll. Spätestens jetzt waren wir überzeugt, für die nächsten zwei Tage einen guten Platz gefunden zu haben. |
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