Startseite |
Markt in Cannobio Sonntag, 1.Juni 2003 |
zurück |
|
Bregenz, ein bisschen Bodensee und keine Berge in Sicht Stippvisite in Bellinzona und der Intercooler Das Kloster Eremo di St. Caterina del Sasso Markt in Cannobio Garzoli & Battaglia in Verbania-Intra Warum die Berge in der Schweiz grüner sind zurück |
Märkte ezählen viel über die Mentalität und Lebensweise der jeweiligen Region. Der Sonntagsmarkt in Cannobio ist wie der Mittwochsmarkt von Luino auf der anderen Seeseite über den Lago Maggiore hinaus berühmt. Das schreiben die Reiseführer und auch Sabine und Hermann vertraten diese Ansicht. Als ich zum ersten Mal vom Sonntagsmarkt in Cannobio las, beschlichen mich unterschwellig Zweifel, dass es wirklich ein richtiger Bauernmarkt ist. Doch diese Bedenken waren schnell wieder vergessen. Mit viel Vorfreude fuhren wir nach dem Frühstück – welches wir selbstverständlich auf der sonnigen Wiese unseres Gartens genossen - nach Cannobio. Ich staunte nicht schlecht, als der Verkehr, die Hektik und das Durcheinander viel größer als gestern beim Giro waren. Die offiziellen und wilden Parkplätze waren längst überfüllt und nur dank unserer Ortskenntnis vom Vortag fanden wir wieder eine Lücke für unser Auto beim Brunnen, nicht allzu weit von der Stadt.
Die Marktstände waren dort aufgebaut, wo am Samstag die Radprofis zum scharfen Start entlang defilierten: Unten an der Uferstraße. Zufällig betraten wir die Marktmeile bei den Obst- und Gemüsehändlern. Deren Stände waren üppig und prachtvoll. Viele reife Früchte, erstklassiges Gemüse und auch einiges, was wir in Deutschland nicht kennen oder bekommen. Vor allem eingelegte oder getrocknete Früchte fielen mir auf. So muss es sein, wenn man in einem anderen Land ist, das andere, wärmere klimatische Bedingungen hat! Die Schlachter protzten mit ihren Schinken und Salamis, die die ganze Wagenkolonne mit ihrem rauchigen Duft umhüllten. Höchst lecker und appetitanregend lagen ganze gegrillte Spanferkel in der Auslage. Das Fleisch wurde scheibenweise vom Ganzen abgeschnitten. Die Käsewagen erinnerten mich an die holländischen wie zum Beispiel den auf dem Buxtehuder Markt. Sie sahen natürlich ordentlich aus und hatten ein umfangreiches Angebot, doch keiner der Käse machte uns neugierig. Hauptsächlich schienen es Derivate vom Parmesan zu sein. Alle Lebensmittelhändler standen am südlichen Ende des Marktes. Den großen anderen Teil der langen Uferpromenade beanspruchten Händler mit Pullis, Bluse, Kleidern, Gürteln, Taschen und Portemonnaies, Sonnenbrillen, Tangas sowie ganz draußen am Nordende die Schuhverkäufer. Die Menschenmassen, die sich durch die schmale Gasse zwischen den Ständen durchzwängte, wurden wie die Hitze immer größer. Beides führte dazu, dass ich mein Vorhaben, Stimmungsbilder vom Markt einzufangen, aufgab. Es war mir zu hektisch und zu heiß. Ich glaube, Polareisfotografie ist ein besseres Hobby für mich. Der Markt ist also kein Erzeugermarkt, sondern ein Händlermarkt, der sich in erster Linie an Touristen wendet. Nur die Gemüsestände wurden gezielt von den Einheimischen besucht. Sie wussten, was sie dort gut und günstig bekommen konnten. Fleisch, Wurst und Käse bekam man oben in der Stadt genauso und viel billiger. Für mich war es ein bisschen wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Beladen mit Obst, Gemüse, einer Wurst, einem hellen Gürtel und einem schicken Lederrucksack zogen wir nach einer Stunde wieder von dannen. Zumindest ich war nicht besonders begeistert. Danach hatte ich - nicht zum ersten Mal in diesen Tagen - das Gefühl, mich in Frankreich wohler zu fühlen. Nach zwei Stunden Mittagsschlaf und der Berichterstattung von der letzten Giro-Etappe erkundeten wir am späten Nachmittag das Gewirr der Gassen unterhalb unseres Ferienhauses. Um sich darin blind zurecht zu finden, braucht man garantiert mehrere derartige Exkursionen. Die heiße Luft des Tages kühlte in unserer Höhenlage nach 18 Uhr schnell auf ein angenehmes Maß ab, so dass wir am Abend lange im Garten sitzen blieben und uns wohl fühlten. |
|