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Graubraune Wiesen Montag, 2. Juni 2003 |
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Nach einer trägen ersten Urlaubswoche sollten heute Lunge und Muskeln zum stärkeren Einsatz kommen. Zum Warmlaufen schien uns eine Tour auf dem Gebirgszug Alto Verbano am geeignetsten, dessen erster nennenswerter Berg der Monte Carza oberhalb von Cannero ist. Die Hänge des Massivs sind nach Süden hin hauptsächlich von Wiesen bewachsen, so dass die Kammwanderung schöne Aussichten auf den See versprach. Außerdem war es von unserem Quartier bis zum beschriebenen Ausgangspunkt der Tour nicht sehr weit.
In Trarego zweigt kurz vorm Ortsschild eine Bergstraße ab, die zu den großen Wegkreuzungen Piazza und Il Colle und dann weiter bis zum Dorf Premeno führt. Wir fuhren auf dieser Straße bis wir eine ziemlich neue Wanderhütte passiert hatten, die in einer Bucht etwas unterhalb der Straße stand. Ausgangs der um die Bucht führenden Straßenschlinge beginnt rechterhand der Wanderweg. Unten ist er ein breiter ausgewaschener Fahrweg. Erst kurz vorm Kamm verjüngt er sich zu einem Trampelpfad. In der schwülen Luft reichte der kurze Aufstieg, uns schweißnass werden zu lassen. Wenige Schritte unterhalb des Kamms geht der markierte Wanderweg links in Richtung Monte Pian Bello ab. Er führt über Wiesen und ist nur am Anfang deutlich erkennbar. Bald verlieren sich die Spuren im breit darnieder liegenden braunen Gras des Vorjahres. Nur mühsam bahnt sich frisches Grün durch diesen Filz. Uns machte das Treten auf diesem eigenartigen und ungewohnten Untergrund mehr Mühe als den Verlauf des richtigen Weges einzuhalten. In diesem offenen Gelände, nur von Buckeln und einzelnen Bäumen durchbrochen, braucht man eigentlich nur ganz wenig Orientierungshilfen. Man findet sein Ziel schon. Schöne und weite Aussichten hätten wir gehabt, doch der dicke blaugraue Dunst gestattete gerade noch, dass wir hier oben um uns herum etwas sahen. Weder der See noch das andere Ufer waren zu erkennen. Die Höhepunkte der Wanderung lagen somit eher im Kleinen. Zum Beispiel sahen wir schöne Tuffs wilder Alpenrosen, deren purpurne Blüten allmählich ihre Pracht entfalteten. Nach einer guten Dreiviertelstunde waren wir oben auf dem 1325 m hohen Monte Pian Bello. Einen richtigen Gipfelpunkt gibt es nicht. Man ist da, das war dann aber schon alles. Der Gang zum Karlstein in den Harburger Bergen ist eigentlich erbaulicher, obwohl der nur 99 Meter hoch steht. Der markierte Wanderweg führte vom Monte Pian Bello noch ein Stück weiter auf dem Kamm entlang, um dann durch die bewaldeten Nordhänge im weiten Bogen zum Monte Carza zurückzukommen. Wir machten es uns einfacher, wir wendeten und liefen auf dem kurzen Kammweg in Richtung Monte Carza. Warum sollten wir uns in der Hitze quälen, wenn der Lohn für den Schweiß vom Wetter verwehrt wird. Am Monte Carza (1116 m) liefen einige Wirtschaftswege zusammen. Schafe und Ziegen weideten hier, so dass die Wiesen etwas besser aussahen. Immerhin fanden wir auf einer kleinen Schwelle einen feinen Platz zum Rasten. Im Dunst verschwamm der Fichtenwald im Hintergrund, eine Kiefer stand groß und protzig auf der Wiese, der niedrige gelbe Ginster setzte mit seinen frischen Blüten die Glanzlichter. Das waren sehr stimmungsvolle Bilder, die uns mit der Tour versöhnten. Nach der Rückkehr zum Auto fuhren wir die Straße weiter hinauf bis zur Piazza. Hier gehen einige Touren in die höheren Regionen los. Auch der Talweg von Trarego trifft hier auf die Straße. Nach Il Colle kamen wir nicht, weil aus der ohnehin schon schmalen Asphaltstraße plötzlich eine ruppige Schotterstraße wurde. Nachdem Gudrun schon auf dem zurückliegenden Stück Blut und Wasser geschwitzt hatte, wollte ich weiterem Stress aus dem Wege gehen und wendete. Nach der Mittagsruhe toste ein Gewitter über Trarego, so dass wir Post erledigen konnten. Als wir um 17 Uhr endlich vorm Dorfladen standen, hatte dieser zu. Es ist doch halt ein bisschen wie in Frankreich. Nach langem Hin und Her fuhren wir hinunter nach Cannero, um auch da vor verschlossenen Ladentüren zu stehen. Wir mussten zum Abendessen also mit den vorhandenen Sachen improvisieren. Das gelang natürlich bestens: Penne mit Zucchini und Fenchel.
Danach genossen wir wieder ausgiebig den Garten und unser Ferienhaus. Wir schrieben oder diskutierten über die Ursache des unerklärlichen Knackens oben in der Palme. Leise Luftzüge waren es nicht, die die Palmwedel gegeneinander stoßen ließen. Das „Geheimnis der Palme“ sollten wir auch an den nächsten Tagen nicht lösen. Bei unseren Abendbetrachtungen diskutierten wir auch unsere Ansprüche an Ferienhäuser. Uns gefällt an den von Privat gemieteten Ferienhäusern ihr sehr individuelles, manchmal sogar persönliches Ambiente. Sicher sagt der Geschmack bei der Einrichtung vieles über den Besitzer. Alle Häuser oder Ferienwohnungen, die wir bisher kennen lernten, unterschieden sich in Vielem und hatten immer einen ganz speziellen Charme. Das war in La Roche so, in Champsey, hier in Cheglio und auch in den größeren norwegischen Hütten. Die Ferienhäuser in den Ferienanlagen wie Gran Dorado1, Vorey2 oder Bussaglia3 sind dagegen nüchtern und unpersönlich wie Hotelzimmer. Alle Funktionalität ist vorhanden, die pflegeleichte Ausstattung ist meist austauschbar. Viele Menschen möchten es vielleicht so, dagegen ist nichts zu sagen. Wir verzichten lieber mal auf Perfektionismus oder schicke Armaturen und freuen uns, wenn das Haus wie hier in Cheglio menschliche Wärme und Individualität verbreitet.
1Ferienpark in Holland 2großes Feriendorf im Loiretal in der Auvergne 3Ferienhausiedlung nahe Porto auf Korsika |
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