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Garzoli & Battaglia in Verbania - Intra Mittwoch, 4. Juni 2003 |
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Bregenz, ein bisschen Bodensee und keine Berge in Sicht Stippvisite in Bellinzona und der Intercooler Das Kloster Eremo di St. Caterina del Sasso Garzoli & Battaglia in Verbania-Intra Warum die Berge in der Schweiz grüner sind zurück |
Wir schliefen sehr lange. Das kleine Gewitter, das mich weckte, hinterließ hier oben statt gereinigter Luft dicke Wolken. Uns war das gerade recht, denn so fiel uns die Fahrt zur Autowerkstatt nicht so schwer, als wenn wir bei schönem Wetter Besseres hätten machen können. Die Fahrt hinunter nach Cannero nur mit der Motorbremse zu bewältigen, war eine Herausforderung, die ich ganz gut meisterte. Weder qualmten noch stanken die Bremsen, als wir unten ankamen. Ich war guter Dinge, in Intra schnell die VW-Werkstatt zu finden, denn mir war so als hätte ich am Samstag von der Fähre aus ein großes VW-Emblem gesehen. Vor Ort sah es ganz anders aus. Alles Kreisen durch die Innenstadt führte zu nichts. Als wir an einer Citroen-Werkstatt vorbei kamen, musste Gudrun drin fragen, wie wir eine Audi-Werkstatt finden. Es dauerte geraume Zeit, ehe sie wieder da war. Auf dem Zettel ein paar Instruktionen, die wir nach bestem Wissen befolgten. Rechts, links, Uferstraße Richtung Cannobio, an Ampel vor großer Bank links ab, am zweiten Kreisel halb rechts, dann kommt man in die Via Muller, dort würden wir dann den Wegweiser sehen. Wir glaubten, alles richtig gemacht zu haben und trotzdem fanden wir den Laden nicht. ![]() Blick auf Verbania - Intra von der Fähre aus Wieder irrten wir herum. Dann erinnerte ich mich an den ACI, den italienischen Automobilclub, dessen Geschäftsstelle ich an einem markanten Platz in der Innenstadt vorhin gesehen hatte. Dort musste erst der Computer befragt werden, ehe wir die Anschrift der Werkstatt und einen Stadtplan mit Wegbeschreibung bekamen. Aber auch im nächsten Anlauf hatten wir Probleme, weil sich die beiden Damen des ACI bei der Markierung im Stadtplan vertan hatten. Neben dem Parkplatz eines Supermarktes fanden wir eine freie Autowerkstatt, wo wir zum dritten Mal fragten. Diesmal erhielten wir von einem Monteur die richtige Auskunft und waren in 3 Minuten auf dem Hof der Firma Garzoli & Battaglia. Prinzipiell hatten uns alle den Weg richtig beschrieben, doch wir scheiterten, weil die kommerziellen Hinweisschilder an den Straßenecken nicht etwa groß und in den typischen Firmen- bzw. Markenlogos gestaltet waren, sondern klein und zierlich mit gelber Schrift auf dunkelbraunen Hintergrund. Auf diese Zeichen haben wir nicht geachtet, auch weil sie beim Fahren überhaupt nicht ins Auge fielen. In der Werkstatt wurden wir sehr zuvorkommend bedient. Die Ersatzteile waren auf Lager, der Chef machte einen Kostenvoranschlag, der sich auf ca. 700 € belief. So habe ich seinen Zettel jedenfalls verstanden. Leider akzeptierte das Geschäft keine Kartenzahlung, so dass wir Bargeld beschaffen mussten. Dazu bekamen wir Gelegenheit, denn wir sollten das Auto erst nach der Mittagspause um 14 Uhr vorbei bringen. Also fuhren wir zurück in die Stadt und hoben auf mehrere EC-Karten Geld ab. Erst als das geklappt hatte, konnten wir einigermaßen entspannt durchs Städtchen bummeln. Intra kommt in den Reiseführern, die wir lasen, nicht besonders gut weg. Da tut man der Stadt unrecht. In jedem Land muss es auch Orte geben, wo gearbeitet und produziert wird. Wenn es dazu eine nette Innenstadt mit vielen Geschäften gibt, ist das auch für Touristen in Ordnung. Durch die engen unregelmäßigen Gassen zwischen hohen Häusern spazierte es sich recht gut. Oft erkannten wir nicht gleich, was Straße und was Hinterhof ist. Hing Wäsche vor den Fenstern oder führten Außentreppen zu den Wohnungen, dann waren es meist Höfe. Überall war es sauber. Die Geschäfte waren meist sehr schick und attraktiv und vor allem für die Einheimischen da. In einer Bar tranken wir dann ein Bier, damit sich die Aufregung des Vormittags legte. Kurz vor Zwei brachten wir das Auto wieder zu Garzoli
& Battaglia. Zur Fuß marschierten wir anschließend am
Rand baumloser Straßen zum Botanischen Garten der Villa
Taranto. Unterwegs kamen wir an der Chiesa di Madonna di Campagna vorbei. Ihr Ursprung liegt im 11. Jahrhundert. Im 16.Jahrhundert wurde sie im Stile der Renaissance umgebaut und ist heute das kulturhistorisch bedeutsamste Bauwerk der Stadt. Uns gefiel die Kirche hauptsächlich wegen ihrer eckigen Kuppel mit dem ungewöhnlichen Säulenumlauf. Den Park der Villa Taranto erreichten wir von der
falschen Seite. Was wir für den Eingang hielten, war leider nur
der Zugang zum Polizeipräsidium. Freundlich schickte uns der
Polizist um den ganzen Colle della Castagnola herum, dem Hügel,
an dessen Nordhängen sich der Park der Villa Taranto befindet.
Auf seiner Südseite liegen Villa und Park San Remigio. Der
Marsch um den Hügel herum demoralisierte uns nach der Tortur auf
den Straßen hierher noch einmal. Der richtige Eingang zum
Botanischen Garten sah dann etwas einladender als die Zufahrt zur
Präfektur aus. Deshalb mussten wir stolze 7 € Eintritt
bezahlen. Auch die Preise im benachbarten Restaurant und am Kiosk
waren auf die vielen Touristen nach oben abgestimmt. Der parkartige
Garten, der sich – wie erwähnt – auf den Hängen
und der Kuppe eines Hügels befindet, ist sehenswert. Weniger
wegen vieler exotischer Pflanzen, sondern wegen seiner Üppigkeit.
Durch das Auf und Ab der Wege war der Spaziergang abwechslungsreich.
Die schattigen Ecken wurden auf die Dauer immer wichtiger für
uns. Die Hitze setzte meinem Kreislauf so sehr zu, dass ich
einigemale freiwillig eine Pause auf einer Parkbank einlegte. Die
namensgebende Villa Taranto war vom Garten aus nicht erreichbar.
Heute wissen wir, dass das Gebäude, in dem die Präfektur
untergebracht ist, jene Villa Taranto ist. Die wertvollere Villa San
Remigio und der dazu gehörende Park
sind Privatbesitz. Der Garten kann nur auf Voranmeldung oder im Mai
und Juni von 10 -12 Uhr besichtigt werden. Als wir den Garten verließen, stellte sich die Frage, wie wir ohne Schinderei nach Intra zurückkommen. Ein Taxi war schon im Gespräch, als wir die Idee hatten, mit dem Linienschiff zu fahren. Das Glück war uns diesmal hold, denn das nächste Schiff sollte bald fahren. Wir stillten an einem Kiosk schnell unseren schlimmsten Durst. An der Kasse der Schiffslinie konnte man ebenfalls Eintrittskarten für den Botanischen Garten kaufen. Für nur 6.50 €, das wunderte und ärgerte uns. Die Fahrt nach Intra war Erholung pur. Wir hatten einen feinen Sitzplatz vorn am Bug. So sahen wir viel und der Fahrtwind erfrischte unsere Haut und unser Gemüt. Erwähnenswert vom Rückweg zur Autowerkstatt ist ein brütender Schwan. Direkt neben der Kaimauer auf dem Steinstrand hatte er sich aus Treibholz und einigem Unrat ein Nest für seine sechs Eier gebaut und saß ungerührt vom Trubel der neugierigen Leute quasi auf dem Präsentierteller. Auf dem weiteren Weg kamen wir noch einmal zur großen Basilika di San Vittore. Am Mittag war die Tür verschlossen, doch jetzt durften wir hinein. Von außen ein großes schmuckloses Bauwerk, ist es innen finster und beklemmend. Was für lichtdurchflutete Prachtbauten sind dagegen die meisten französischen oder deutschen Kathedralen! Unser Auto war fertig. Im Büro bezahlten wir die Rechnung, auf der wunschgemäß alles eingetragen war, damit ich das Geld von Sixt diskussionslos wieder bekommen konnte. Die Freude über den tatsächlichen Preis war aber noch größer: 329 € kostete alles zusammen. Das war sensationell. In Deutschland hätte es mindestens 500 € gekostet. Sixt machte also noch ein Schnäppchen. Verblüfft waren wir, dass von dem Gesamtbetrag lediglich 30 € auf Arbeitslohn entfielen. Bremsen erneuern heißt: Räder ab, Bremsen demontieren, neue montieren, Räder an und vielleicht noch Prüfungen usw. Das alles für 29 €! Die Auto-Werkstätten in Norditalien überzeugten uns. Leider ist es ein bisschen aufwendig, zur Inspektion von Hamburg nach Italien zu fahren. Danach freuten wir uns als erstes über die Klimaanlage im Auto. Dann schlug Gudrun vor, noch einen kleinen Abstecher in die Altstadt von Pallanza zu machen. Pallanza, der südliche Stadtteil von Verbania, ist durch den Hügel der Villa Taranto von Intra getrennt. Seine Seepromenade liegt mit Blick nach Süden am Borromäischen Golf, wie die Bucht zwischen Pallanza und Stresa genannt wird. Der Ort hat eine niedliche Altstadt, durch die wir hinunter an den See bummelten. Im Internet (http://www.ciaolagomaggiore.com) fanden wir unter anderem folgende Sätze über Pallanza: „In der Hauptgasse hinunter zum See befinden sich die meisten kleineren Geschäfte, hier empfehlen wir besonders die Kaloriendealer. Gemeint sind die Geschäfte, die Süßigkeiten und Torten verkaufen. Wegen der Stammkundschaft mussten einige Türen verbreitert werden. In dieser Gasse befinden sich noch einige Bars die an das 19. Jahrhundert erinnern.“ Wir waren von den Anstrengungen des Tages zu ausgelaugt, um diese Feinheiten in jener Gasse, durch wir auch gingen, zu bemerken. Die Seefront der Stadt ist prächtig. Auch der Blick aufs Wasser macht Spaß, weil Inseln vorgelagert sind und keine Monotonie aufkommt. Lange hielten wir uns nicht auf. Wir wollten noch in einem riesigen, gut gekühltem Supermarkt einkaufen. Hier fanden wir auch einige Lebensmittel, die wir nicht kannten. Allerdings waren es Sachen, die uns nicht zum Kaufen animierten. Zum Beispiel eingelegte Gemüsezwiebeln, die in einem schlierigen Sud schwammen und wie verkohlt aussahen. Zur Entnahme von Obst und Gemüse aus den Stiegen müssen alle – Verkäufer wie Kunden – Plastikhandschuhen anziehen. Macht man es nicht, wird man sehr vorwurfsvoll angesehen und hat nur als Fremder Glück, nicht zur Rede gestellt zu werden. Obst und Gemüse hatten hervorragende Qualität. Ich kaufte eine Tüte Aprikosen, reif und lecker wie selten. Ein weiteres Novum gab es an der Kasse. Da ich bar bezahlte – wir hatten ja dank der niedrigen Werkstattrechnung genügend Bargeld in der Tasche –, bekam ich 10 % Skonto. Nicht genug damit, jeder Rest kleiner als 10 Cent wird gestrichen. Diese Kleinbetragsregel ist ein Überbleibsel der Lira-Zeit. Danach stoppten wir an einer kleinen Esso-Tankstelle, um zu tanken. Dort wurde man noch bedient. Ich sah das nicht gleich und hatte den Tank bereits voll, als ich an der Reihe gewesen wäre. Ich ging zusammen mit dem Tankwart in sein kleines Büro, um mit Kreditkarte zu bezahlen. Er tippte einiges in ein Lesegerät ein, dann stellte er mir einen komischen Styropurkasten hin, in dem sich das PIN-Pad befand. So abgeschirmt von allen fremden Blicken gab ich meine Nummer ein und konnte wieder gehen. Draußen sah ich, dass die Wechselkasse mit den Münzen für alle zugänglich an einer der beiden Zapfsäulen stand. Münzen scheinen für Italiener nach wie vor wertloses Geld zu sein. Glücklich, aber fix und fertig, landeten wir um 20 Uhr wieder in Cheglio. Zwei Flaschen italienischen Rotweins ließen uns die Strapazen des Tages bald vergessen. |
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