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Einmal quer durch die Schweiz...

Montag, 10. Juni 2003

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Die Reise beginnt

Bregenz, ein bisschen Bodensee und keine Berge in Sicht

Stippvisite in Bellinzona und der Intercooler

Das Kloster Eremo di St. Caterina del Sasso

Arcumeggias Bilder

Der rosa Tag

Markt in Cannobio

Graubraune Wiesen

Stress in Cannero

Garzoli & Battaglia in Verbania-Intra

Im Valle Cannobino

Der Alpenrosenberg

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Einmal quer durch die Schweiz

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...sollte es heute gehen, doch zunächst zwang uns der Grenzverlauf noch zu einem Abstecher nach Italien, ins Centovalli. Wir hatten uns entschieden, über den Simplonpass zu fahren, was 75 Kilometer kurvige Landstraße bedeutete. Stefan fand die Strecke im Centovalli hochgradig nervend. Er konnte selten schneller als 30 Stundenkilometer fahren, weil er den Gegenverkehr nicht lange genug im voraus kommen sah. In dem engen Tal, das ein idealer Ausgangspunkt für zahllose Wanderungen sein soll, sah man von der Straße aus nicht viel. re_kuppel Um so verblüffender, ja geradezu wie eine Fremdkörper in der Landschaft, wirkte auf uns nach 30 gewundenen Kilometern die im Sonnenlicht strahlende Kathedrale von Re. Viel zu groß für das enge Centovalli, viel zu hell gegen die anderen Gebäude. Es war ähnlich wie vor zwei Jahren in Orcival. Auch dort war die Wallfahrtskirche gewaltiger als der ganze Ort. Und auch hier war es eine Wallfahrtskirche, gebaut wegen eines Wunders, das hier geschehen sein soll. Das verrückte daran ist allerdings, dass diese Kathedrale erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden ist.

Weil es an dieser Stelle bereits eine Kirche gab, der Platz für eine weitere nicht reichte, bezog man die vorhandene alte Kirche auf geniale Weise in die neue ein, indem man die Seitenwände des alten Kirchenschiffes einfach rausnahm. Der moderne Dom mit der riesigen Kuppel ist ganz schlicht und lebt von den farbigen Glasfenstern, die den Kirchenraum in ein ungewöhnliches Licht tauchen. Wir hatten natürlich auch mit dem Wetter Glück, die Sonne ließ alles strahlen.

Über Domodossola näherten wir uns danach schnell der Anfahrt zum Simplonpass. Auf der Schweizer Nationalstraße war zwar einiger LKW-Verkehr, trotzdem kamen wir halbwegs zügig voran. Auf der Passhöhe gönnten wir uns eine Pause. Ringsum endlich schneebedeckte Gipfel, Wind, Sonne und blauer Himmel bei nur 21°C. Herrlich!

simplonpass

Vom Simplonpass abwärts sahen wir dann plötzlich nach einer Kurve die faszinierende Ganterbrücke vor uns. Gerade noch rechtzeitig bemerkte Stefan den Einschlupf zur alten Straße. dort konnten wir wenden und fanden für einen Fotostop den geeigneten Parkplatz. Im April hatten wir auf ARTE eine Dokumentation über die Entstehung der Brücke und ihren Erbauer Christian Menn (geboren 1927 in Meiringen) gesehen, der in so wunderbar einfachen Worten komplizierteste Dinge verständlich machen konnte. Was für ein Gefühl, mit solchem Hintergrundwissen jetzt über diese Brücke zu fahren.

Ganterbrücke

1999 hatten wir den Alpenhauptkamm mit Eiger; Mönch und Jungfrau von der anderen Seite her kennen gelernt. Heute näherten wir uns vom Südosten und das einzige, was wir während der Fahrt sicher identifizieren konnten, war der gewaltige Aletschgletscher. Um die vielen anderen Hörner und Spitzen benennen zu können, hätte man Karte und Kompass benutzen müssen. Doch das war nicht nötig, um sich an der die majestätischen Schönheit der namenlosen Riesen zu erfreuen.

Von der langen Fahrt durchs G lomstal ist nicht viel hängen geblieben. Die Dörfer waren hübsch anzusehen. Es gab Speicher, die an die mäusesichere Bauweise in Norwegen erinnerten. Geschlossene Ortskerne in der typischen dunklen Holzarchitektur verführten uns zu Urlaubsplänen für kommende Jahre. Besonders Blitzingen, Reckingen und Münster fanden wir gut.

grimselpass

HinterGletsch, fast auf halbem Weg zum Furkapass,hatten wir einen guten Blick zum Rhonegletscher, konnten die Straßen zu den beiden Pässen gut einsehen und merkten, dass wir uns mit der Zeit ganz schön verkalkuliert hatten. Wir entschieden uns für den kürzesten Weg nach Meiringen über den Grimselpass und drehten um.bike1 Eine gute Entscheidung, konnten wir doch dadurch auf dem Grimselpass eine längere Pause machen. Dort gab es viel zu sehen. Auf dem Bikerparkplatz standen fantasievolle Skulpturen aus Schrott. Und einige der abgestellten, auffällig bunten Zweiräder werden wohl auch nicht aus eigener Kraft hier heraufgekommen sein.

Der Grimselsee war noch zu großen Teilen zugefroren. In einem kleinen Tiergehege sonnten sich Murmeltiere und Waschbären.

Inzwischen war es Dreiviertelzwei geworden. Uns zog es mit Macht nach Meiringen. Je weiter hinunter wir kamen, desto wärmer, grüner und schöner wurde das Tal. Wir passierten Guttannen, Innertkirchen, sahen den Eingang zur Aareschlucht und wollten es kaum glauben: Es war alles noch schöner als in der Erinnerung! Hatten wir uns im Glomstal schon Gedanken über zukünftige Ferien gemacht, gab es hier überhaupt keinen Zweifel: Meiringen und seine Umgebung sind einfach ideal für unsere Urlaubsambitionen. Nach erfolgreichem Käsekauf in der „ Molki “, einem kurzen Abstecher zur Balmstraße, dem Kaffeetrinken in Hasliberg mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, war eine neuerliche Schweizreise beschlossene Sache.

bike2 Nun mussten wir uns auf den Weg nach Zürich machen, denn die schnellste Möglichkeit, Abendessen und Übernachtung in Deutschland zu finden, schien uns die Route Luzern – Zürich - Schaffhausen zu sein. Bemerkenswert ist von dieser Fahrt nur folgendes: Mit einer wandernden Zeltüberdachung sorgen die Schweizer dafür, dass auf ihren Autobahnbaustellen auch bei schlechtem Wetter und bei Licht gearbeitet werden kann. Kein weiterer Kommentar.

Es wurde wärmer und wärmer. Gegen 17 Uhr erreichten wir Zürich im dicksten Berufsverkehr. Das Thermometer zeigte 36,5°C, der Asphalt glühte und es ging nur stockend vorwärts. Zu allem Unglück hatten wir vergessen zu tanken. Das machte die Fahrt prickelnd. Doch auch das haben wir überlebt, eine Tankstelle gefunden und kurz vor Schaffhausen waren wir an der Grenze. Verblüffung. Haben wir uns verfahren? - Schaffhausen liegt doch in der Schweiz? Es hatte alles seine Richtigkeit. Nach einem kurzen deutschen Intermezzo reisten wir wieder in die Schweiz ein und bald erreichten wir auch Schaffhausen.

Auf dem Parkplatz a m Rheinfall mussten wir nach 18 Uhr nur noch den halben Preis bezahlen. Dabei war es vielleicht schöner, als wenn wir in der prallen Mittagshitze hierher gekommen wären.

Nun hieß es nur noch, möglichst schnell ein Hotel und Abendessen zu finden. In dem kleinen Städtchen Engen, nicht weit von der Autobahn, fanden wir das Hotel „Badischer Hof“, ein sympathisches kleines Haus mit Restaurant und Biergarten, von einem Ehepaar bewirtschaftet. Wir bekamen ein ordentliches, nicht überhitztes Zimmer und waren nach einer erfrischenden Dusche gegen 20 Uhr im gut besetzten Biergarten.

Wir wollten bei der Hitze nicht übermäßig viel essen, doch etwas Typisches aus der Region sollte es schon sein. Hausgemachte Bandnudeln fanden sich in der Karte, dazu Steak von Pute, Schwein oder Rind, eigentlich Nebensache, aber man musste sich entscheiden. Also sollte es Schwein sein. Während ich noch überlegte, ob ein Salat dazu passen würde, wurde am Nachbartisch ein solcher aufgetragen, den sich - man merke auf – 3 Personen teilten. Mir schwante nichts Gutes. Jetzt folgte der Auftritt unseres Essens: Ein Teller mit einem goldgelben Hügel zarter Bandnudeln und daneben - das konnten unmöglich unsere Schweinesteaks sein – ein Berg Fleisch.

Man weiß ja, welchen Durchmesser in etwa das Schweinerückensteak aus dem Kotelettstück hat. Das klingt ja noch nicht gefährlich. Doch wenn es dann gut 6 Zentimeter hoch ist, kann man sich unsere Aufgabe vorstellen. Alle Bedenken, dass so ein riesiges Stück Fleisch trocken sein könnte, waren beim ersten Bissen zerstreut. Eine solche Delikatesse vom Grill muss erst noch überboten werden! Hier mussten Vernunft und Angst vor Kalorien einfach abgeschaltet werden.

Fazit: Wenn jemand wissen will, wie gegrilltes Schweinerückensteak vom Grill mit Bandnudeln und Champignonssoße schmecken muss , der fahre nach Engen in den „Badischen Hof“!

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