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Schätze am Wege - Kloster Bronnbach

Dienstag, 11. Juni 2003

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Die Hitze, an der sich die Engener Biergartengemeinde gestern so erfreute, bedrohte uns auch heute. Auf dem „kürzesten Weg“ wollten wir nach Hause. Natürlich heißt das bei uns niemals nur stur Kilometer schinden. Wenn man schon einmal von Süd nach Nord die ganze Länge Deutschlands durchmessen muss, soll wenigstens eine angenehme Pause abfallen.

Auf der Landkarte fand ich bald anhand der Symbole für Sehenswürdigkeiten eine interessante Ecke, die gut in unseren Fahrplan passte:  Die Badische Weinstraße von Tauberbischofsheim Richtung Wertheim wurde als landschaftlich reizvoll empfohlen und ließ sich auch sehr gut fahren. Gepflegte Dörfer in hügeliger Landschaft waren hübsch anzusehen. In das Städtchen Gamburg lockte uns eine hübsche alte Brücke am Ortseingang. Nach einer Ehrenrunde ging es weiter Richtung Bronbach. Ein sehenswertes Kloster mit gut erhaltenem Kreuzgang hofften wir zu finden.

bronnbach

Unscheinbar zunächst die Ortsdurchfahrt, doch beim näheren Hinsehen präsentierte sich das Kloster Bronnbach umso eindrucksvoller.

Vor genau 850 Jahren wurde 1153 die ehemalige Zisterzienserabtei vom Heiligen Bernhard von Clairvaux gegründet. Davon ist eine Legende überliefert:

Als der Heilige Bernhard von Clairvaux auf seiner Pilgerreise auch in Wertheim weilte, zeigte er eines Tages nach einer Wildnis des Taubertals und sprach: „Auch dort wird ein Kloster meines Ordens gegründet werden.“ Diese Weissagung des berühmten Abtes ging noch zu seinen Lebzeiten in Erfüllung. Einige fränkische Edelleute hatten nämlich beschlossen, ein Zisterzienserkloster zu stiften, und als sie dafür in dem stillen anmutigen Taubertale einen Platz suchten, flogen plötzlich aus jener Gegend drei weiße Lerchen ihr fröhliches Morgenlied singend, in die heiteren Lüfte empor. In dieser außerordentlichen Erscheinung erblickten die drei adeligen Herren einen Fingerzeig Gottes und bauten an der bezeichneten Stelle die Abtei Bronnbach. Diese nahm in ihr Wappen drei weiße Lerchen auf, die von den Händen des Jesuskindes, das auf seiner Mutter Schoß sitzt, gehalten wird.1

Der Zisterzienserorden zeichnete sich anfangs durch die strenge Befolgung der benediktinischen Mönchsregel, besonders durch Strenge und Einfachheit in der Lebensweise aus; vorbildliche Bodenbewirtschaftung führte bald zu großem Reichtum. Dies sieht man an der Ausstattung der Kirche, sie wirkt reich und prächtig. Besonders das Chorgestühl, von einem Mönch hergestellt, fällt ins Auge.

Etwa 50 Mönche haben das Kloster bewohnt und bewirtschaftet. Auch heute leben noch einige Mönche dort. Zur Miete – wie uns die Führerin erzählte.

Kloster Bronnbach

Kreuzgang und Kapitelsaal sind so erhalten worden, wie sie immer waren, auch das Brunnenhaus. Das Kalefaktorium, der einzige heizbare Raum des Klosters wurde wunderschön restauriert, aber so, wie man es heute als schön empfindet. Historische Bausubstanz wurde einbezogen, doch mit modernen Gestaltungsmitteln wunderbar und harmonisch ergänzt. Genauso ist man beim Josephsaal vorgegangen. Das führt nach Aussage der Führerin bei vielen Besuchern zu Kritik. Man möchte alles so wiederhergestellt haben , wie es einmal war. Doch wer weiß schon, wie es „einmal“ war. In der langen Klostergeschichte wurde die Bausubstanz ja auch oft genug verändert und welchen Zustand soll man wiederherstellen? Den der größten Geschmacksverirrung? Oder den der größtmöglichen Kontraste? Ich finde es sehr gelungen, wenn man so wie in Bronnbach das, was heute ergänzt oder repariert wird, der Nutzungsform entsprechend zeitgemäß gestaltet. So fügt man der Geschichte ein würdiges Kapitel „21. Jahrhundert“ hinzu.

Gerne hätte ich hier länger verweilt, vielleicht schöner Musik gelauscht und die Gedanken schweifen lassen. Wie so oft auf unseren Reisen verließen wir einen eindrucksvollen Ort mit dem Wunsch wiederzukommen.


1Quelle: „Sagen und Geschichten aus dem Taubergrund“, Frankonia Buch Verlag

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